Seit Ende 1994 arbeiten wir als niederländi­sche Berliner – jeweils mit anderen Partnern – am Thema Zweiten Weltkrieg, mit dem Schwerpunkt Zwangsarbeit.  Zu dem Zweck haben wir 1995 eine niederländische Stiftung gegründet. Von Anfang an haben wir aber auch das mehr allgemeine Thema Niederländer in Deutschland, von 1100 bis heute, aufge­grif­fen. Wir sahen unsere Arbeit anfangs vor allem im Zeichen der noch immer nicht 100%ig voll­zogenen Aussöhnung Deutschland-Niederlande, zunehmend aber in dem größeren Rahmen der Kulturarbeit beider Länder in Europa. So ver­fügen wir u.a. über gute Kontakte nach Ost­europa.

 

Im Gedenkjahr 1995 begannen wir mit Besu­chen an den Veranstaltungen in Sachsenhausen und Ravensbrück, sowie einer Berlinreise für die bis dahin oft vergessenen niederländischen Zwangsarbeiter. Ergebnis war das Buch Nie­derländer und Flamen in Berlin 1940-1945 - Häftlinge, Inhaftierte, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter. Ed. Hentrich, Berlin (1996). Bis heute unterstützen wir ehemalige Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge bei Nachfra­gen und Reisen nach Deutschland.

 

 

1996 organisierten wir – in Zusammenarbeit mit der Stiftung Topographie des Terrors und Zwangsarbeiterverbänden aus Polen, der tsche­chischen Republik, Frankreich und den Niederlanden – ein Berliner Symposium zum Thema, an dem sowohl Wissenschaftler wie  Betroffene teilnahmen.  Im Symposiumsband Zur Arbeit gezwungen (Temmen Verlag, Bre­men, 1999) sind alle Beiträge mit einigen er­gänzenden Texten aufgenommen.

Bei unserer Arbeit haben wir die Ergebnisse unserer Vorgänger, vor allem die aus den acht­ziger Jahren, dankbar angenommen und verar­beitet. Wir freuen uns sehr, wenn gelegentlich angemerkt wird, wir hätten einen Anfang mit den Regionalstudien in deutscher Sprache gemacht.

 

1997 arbeiteten wir an einem Dokumentarfilm (Een Koffer in Berlijn/Ein Koffer in Berlin, RVU) mit, in dem zwei niederländische Zwangsarbeiter porträtiert wurden; wir über­nahmen zudem die deutsche Untertitelung und versorgten eine Broschüre zum Film. Auch haben wir Übersetzungen ins Deutsche (u.a.: Brandenburgisches Requiem) sowie deutsche Untertitel für Filme zur Verfügung gestellt.

 

Das sind zwei Beispiele für die Unterstützung, die wir in Projekten und für individuelle For­schungsarbeiten leisten können – als ideeller Träger, der gerne bereit ist, andere nach Kräf­ten zu unterstützen und unser Netzwerk zur Verfügung zu stellen, soweit uns dies möglich ist. Wir halten Vorträge, nehmen Teil an Sym­posien, und berichten darüber. Wir überneh­men Übersetzungen/Untertitelung, Dolmet­schertätigkeiten, Begleitung und Betreuung so­wie Moderationen und deutsch-niederländi­sche Workshops.

 

Auftritte des Sängers Johan Meijer werden  bei entsprechenden Anlässen – u.a. bei der Eröff­nung von Ausstellungen und Zwangsarbeiter­treffen, aber auch in Schulen,  teilfinanziert.

Im Mai 2000 erschien der überwiegend niederländischsprachige CD „Stenen Man“, mit Liedern zum Thema Zwangsarbeit/Zweiter Weltkrieg. Für die deutsche Ausgabe mit einigen neuen Liedern haben wir mit Musikern aus einigen europäischen Ländern zusam­mengearbeitet; sie wurde Ende August 2003 präsentiert. Das Thema Zwangsarbeit wird auf diese Weise auch dem „normalen“ Publikum näher gebracht.

Der schon genannte „Mann aus Stein“ ist das Mahnmal im ehemaligen Polizeilichen Durch­gangslager Amersfoort. Wir unterstützen diese relativ neue Gedenkstätte sowie die Kontakt­aufnahme zu deutschen Gedenkstätten. Wir er­weitern das Thema Zwangsarbeit z.Zt. um die Aspekte Arbeitsverweigerung und Flucht; die Bestrafung erfolgte in Amersfoort.

 

Ein Projekt im Zusammenarbeit mit den bei­den Künstlern René Klarenbeek und Sabine Lindemann wurde im April mit der niederlän­dischen Präsentation des Audiobuches  Dat hou je ervan over/Das prägt einen eben im NIOD in Amstedam abgeschlossen. Anfang September 2003 folgt die deutsche Präsenta­tion im Berliner Rathaus. Seit Herbst 2001 wurde in Berlin-Tegel (Borsig) das Thema Zwangsarbeit vorgestellt.

 

Ein zweiter Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Emigration von Niederländern und Flamen nach Deutschland seit etwa 1100 bis heute. Dabei arbeiten wir oft mit Dritten zusammen. Die Ausländerbeauftragte von Berlin gab Hol­länder an der Havel heraus; die niederlän­dische Botschaft das Heft Ins fremde Land dahin, mit u.a. Information über den Einfluss der niederländischen Kirche in Deutschland. Als Herausgeber publizierten wir ein Buch über das Christusbild in der Berliner Gegen­wartskunst des Instituts für Liturgie-Wissenschaft der Universität Groningen. Wir unter­stützten die deutsch-niederländische Aus­stellung Onder den Oranje Boom in Krefeld, Oranienburg und Apeldoorn, bei der die Vor­bildfunktion der Niederlande für Deutsch­land nach dem Dreißigjährigen Krieg zentral stand. Auch andere Themen sind für uns wichtig: Schloss Oranienbaum sowie die Grenzregion Gelderland/ Niederrhein. 

 

Ganz wichtig ist für uns, zu hören, dass unsere Arbeit anderen weiterhilft und anstößt. Wer konnte 1995 ahnen, dass Zwangsarbeit 2005 noch als aktuelles Thema auf der Tagesord­nung stehen würde. Damals besuchten wir mit ehemaligen Zwangsarbeitern den Bahnhof Rehbrücke in Potsdam und legten dort einen Kranz mit dem Wort Sklavenarbeit nieder. Den heutigen Potsdamern war das nicht be­kannt. Vor kurzem hörten wir, dass ein „Ehe­maliger“ dort eingeladen war und sein Vortrag großes Interesse gefunden hatte. Einen anderen haben wir begleitet, und langsam schälte sich die Geschichte eines im AEL verdrängten Wi­derstands heraus. Die Zusammenarbeit mit Künstlern öffnet uns andere Perspektiven und erschließt uns ein anderes Publikum. Die Arbeit am Thema niederländische Künstler in Deutsch­land bringt uns in Kontakt mit Leuten, die wir vorher nur aus Radio oder Fern­sehen kannten, und zeigt uns wieder ein ganz anderes Bild. Nur vier Erfahrungen aus vielen, die unsere Arbeit lohnend machen.

 

Oft entsteht in der Zusammenarbeit mit anderen ein Bild der Geschichte, das so noch nicht bzw. noch nicht allgemein bekannt war. Wir basieren uns bei der Arbeit neben Quel­lenforschung hauptsächlich auf die Vertiefung der oral history und möchten mit den Zeit­zeugen und anderen die Vergangenheit be­fragen, Fragen an Historiker und Archive neu formulieren, der interessierten Öffentlichkeit neue Ansatzpunkte bieten. Aus Erfahrung wissen wir, wie wichtig es ist, die Vergangen­heit lebendig zu erhalten, sie mit allen Grau- und Schwarztönen aber auch schönen  Mo­menten anschaulich zu machen. Und dabei Überlebenden die Gelegenheit zu bieten, an die Orte des Schreckens zurückzukehren und ihre Geschichte zu erzählen. Nicht nur für sie - auch für ihre Kinder und Enkel - und die Geschichtsschreibung.

 

Unsere Arbeit wird aus Spenden und Eigen­leistungen des Vorstands finanziert.

 

Einige Beispiele unserer Arbeit:

 

*Stenen Man – Lieder von Johan Meijer (Jean Van Adorp) zum Thema Zwangsarbeit/II. Weltkrieg (CD)

*Von der Maas bis an die Memel – Lieder für Überlebende. CD, Sommer 2003.

*Niederländer und Flamen in Berlin 1940-1945. KZ-Häftlinge, Inhaftierte, Kriegs­ge­fangene, Zwangsarbeiter. Ed. Hentrich, Berlin (1996)

*Zur Arbeit gezwungen, Temmen Verlag, Bremen (1999)

*Dat hou je ervan over/Das prägt einen eben. Audiobuch, April 2003.

*Maarten Mourik, Brandenburgisches Re­quiem, Übersetzung aus dem Niederl., Berlin (1999).

*Een koffer in Berlijn / Ein Koffer in Berlin, RVU-Dokumentarfilm, Mitarbeit und dt. Untertitelung

*Broschüre zum Dokumentarfilm mit dem Titel Vergeten echter doen ze nooit

*Holländer an der Havel, Hrsg. von der Ausländerbeauftragten des Berliner Senats, 3. Auflage (1994)

*Ins fremde Land dahin, Migration aus den Niederlanden Richtung Osten, Reihe Nach­barn, Hrsg. Kgl. Niederländische Botschaft, Bonn (1995)

*Reliek Mens/Reliquie Mensch, Das Christus­bild in der Berliner Gegenwartskunst (1997)

 

sowie

*Betreuung von ehem. KZ-Insassen, Zwangsarbeitern sowie anderen Interessen­ten/Schulen vor Ort

*Auftritte des Liedermachers Johan Meijer bei verschiedenen Anlässen

*Mitarbeit in verschiedenen Initiativen

*Dienstleistungen im Rahmen von Projekt­arbeit

*Kooperationen mit der Kirche und verschiedenen Institutionen

 

 

 

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